Verliebte haben starke Gefühle. Dafür sorgt ein Hormoncocktail in unserem Gehirn. Kleine, unscheinbare Regionen im Kopf versetzen uns in einen Liebestaumel und ganz egal, ob es im Sommer schneit oder Maiglöckchen schon im Dezember blühen, wir befinden uns im Ausnahmezustand, im totalen Glück. Das haben Sie doch sicher auch schon mal erlebt, oder?

Aber kennen Sie eine Produktbeschreibung, die Ihr Herz in Wallung bringt, die Ihre Welt in Rosa taucht? Eben. Genau so geht es mir meistens auch. Was also macht die Beschreibung eines Artikels so gut, dass Ihnen jeder Buchstabe auf der Zunge zergeht und das Produkt vor Ihrem geistigen Auge entsteht, ganz ohne Bild? Das will ich Ihnen heute verraten.

Wie so oft gilt auch hier: So ausführlich wie nötig und so kurz wie möglich. Entscheidend ist der Kundennutzen, der Mehrwert, um den es mal wieder geht. Versorgen Sie Ihre Leser mit Informationen, sprechen Sie sie aber unbedingt auch auf der emotionalen Seite an. Ganz schön schwer, oder? Einfacher geht es mit nachfolgenden Tipps:

Bitte mit Stil

Schreiben Sie verständlich, informativ und genau. Wählen Sie vor allem einen Textstil, der zu Ihrem Online-Shop, dem Unternehmen und zu Ihrer Zielgruppe passt. Nüchterne Aufzählungen ermüden. Beschreiben Sie besser mit bildhaften Adjektiven und mit Formulierungen, die den Besitzwunsch wecken.

Beispiel für eine nüchterne Formulierung: Dieses Buch ist intellektuell sehr anspruchsvoll.

Beispiel für eine bildhafte Beschreibung: Dieses Buch ist hart wie eine Nuss.

Nicht alles auf einmal

Vermeiden Sie überladene Texte. Bei umfangreichen Produktbeschreibungen empfehle ich Informationen zum Anklicken oder verlinken Sie auf ähnliche Produkte, Testberichte oder Tipps. Zu viel Text wirkt schwer und führt den Leser weg vom Produkt.

Aktive Verben statt Phrasen

Der Leser möchte informiert, inspiriert und unterhalten werden. Liefern Sie Argumente und begründen Sie Ihre Aussagen mit aktiven Verben. Wer über Mode schreibt, ist anschaulicher mit Wörtern wie: „überstreifen, aufsetzen, hineinschlüpfen, umhängen, schmücken, um die Schultern legen, zubinden“ und so weiter. Erläutern Sie, was den Artikel besonders macht und verzichten Sie auf Blabla wie: „Ein unverzichtbares Must-have“ oder „verleiht dem Look das gewisse Etwas“. Gähn.

Ihr Produkttext ist Ihr bester Verkäufer

Eine persönliche Ansprache und die richtige Wortwahl entscheiden über ein erfolgreiches Verkaufsgespräch. Auch im Online-Shop können Sie mit Ihrem Kunden in einen Dialog treten, indem Sie möglichst viele seiner Sinne ansprechen. Beschreiben Sie lebendig, wie sich z. B. der Stoff eines Kleides anfühlt, liefern Sie Ideen und geben Sie konkrete Tipps.

Was macht Ihr Produkt besonders?

Je origineller und konkreter Sie Ihre Produkte beschreiben, umso tiefer die Retourenquote und umso größer der Kaufanreiz. Beantworten Sie sich vor dem Texten diese Fragen und liefern Sie dem Kunden einen Nutzen:

  • Wie sieht das Produkt aus?
  • Wodurch unterscheidet es sich von anderen?
  • Wie fühlt es sich an?
  • Welchen Zweck erfüllt es?
  • Womit bringen Sie das Produkt in Verbindung (Erlebnisse, Situationen, Anlässe)?
  • Wie fühlt sich der Träger oder die Trägerin damit (vor allem bei Bekleidung)?

Kostproben

Kein Meister ist vom Himmel gefallen. Klar. Üben Sie zunächst nur mit wenigen Produkten und überprüfen Sie Ihre Wirkung. Gut geignet für den Start sind Top-Seller. Inspirieren Sie sich auch ab und zu mit guten Texten anderer Händler. Kleine Kostprobe gefällig?

«Der Mix aus Baumwolle und Kaschmir mit Elastan macht Luxus alltagstauglich. Die Loungehose mit Kordelzug und weichem Bund verbindet Casual Chic mit sportlicher Eleganz. Ein angestrickter Beinabschluss und die körpernahe Verarbeitung versprechen pures Wohlgefühl.»

Oder

«Zarte, florale Spitze aus St. Gallen schmückt das Dekolletê von diesem luftig-leichten Nighty mit weitem Schnitt. Die natürlichen Eigenschaften von weicher, merzerisierter Baumwolle schmeicheln der Haut und sorgen für höchsten Tragekomfort auch bei sommerlichen Temperaturen».

Stellen Sie sich immer vor, es gäbe kein Bild zu dem Artikel und beschreiben Sie ihn so detailliert wie es geht. Achten Sie am Ende auch auf die richtigen Schlüsselwörter und ihre Dichte im Text.

Und jetzt die schlechte Nachricht: 70 bis 80 Prozent unserer Entscheidungen treffen wir unbewusst. Das Gehirn weiß quasi schon vorher, ob wir etwas kaufen oder nicht. Oder wie es der australische Neurologe Allan Snyder ausdrückt: “Das Bewusstsein ist nur eine PR-Aktion Ihres Gehirns, damit Sie denken, Sie hätten auch noch was zu sagen.”

Bis zum nächsten Mal, Ihre