Das Ausrufezeichen gehört zu den am häufigsten verwendeten Satzzeichen. Das Umstrittenste in deutschen Texten ist der Punkt. Wie Sie ihn verwenden oder welche Bedeutung er für Sie hat, entscheidet dabei Ihr Alter, und damit meine ich nicht Ihren Mann. Für Menschen zwischen zwanzig und dreißig Jahren bedeutet der Punkt vor allem «wenig Gefühl». Studenten, die ihre Zustimmung ausdrücken, antworten einsilbig mit «Yo» oder “Yep”. Verpönt ist danach das Satzzeichen «Punkt. Eine Studie fand heraus, dass der Kommentar aufrichtiger und positiver ankommt, wenn danach kein Punkt steht. Wenn Sie über 30 sind, gilt diese Regel für Sie natürlich nicht. Dann sind Sie einfach zu alt, um mit Text-Messengern aufgewachsen zu sein. Für Sie ist das Satzzeichen dann eher eine Frage des Stils und in diesem Fall ein Zeichen von Nachlässigkeit.

Besonders viel Gefühl zeigt im Text ein ganz anderes Zeichen. Genau, das Ausrufezeichen! «Ich freue mich auf dich» klingt auch ganz schön lahm, oder? «Ich freue mich auf dich!» sieht nicht nur ehrlicher aus, sondern trifft auch dort, wo es hin soll, nämlich mitten ins Herz. In der Schriftsprache brauchen wir kleine Tricks, die zeigen, was wir meinen. Das Ausrufezeichen zeigt eine ganze Menge, und das auf kleinstem Raum.

Karriere im Netz

Wer bei Facebook und WhatsApp dazugehören will, der beendet seinen Satz mit einem Ausrufezeichen. Ach was, am besten gleich mit zwei oder drei. Kein anderes Satzzeichen passt so perfekt in unsere Zeit, denn in Kurzmitteilungen, aber auch in E-Mails, verschwimmen die Grenzen zwischen Schreiben und Sprechen immer mehr. Das Ausrufezeichen hat im Netz richtig Karriere gemacht, für viele gilt es gar als die Dramaqueen. Es bläst sich auf, es schreit dich an und verspricht Wichtiges, das unbedingt gelesen werden will. Doch wenn jeder dasselbe Mittel benutzt, um sich von anderen zu unterscheiden, dann endet jede Mitteilung in einem Einheitsbrei.

Stellen Sie das Drama ab

Das Smartphone ist unser ständiger Begleiter. Mit ihm teilen wir unseren Tisch und manche sogar das Bett. Doch viele sind dem Medium offenbar nicht gewachsen und benehmen sich laut und schrill. Es lohnt sich, darüber nachzudenken, dass auch in der virtuellen Welt reale Menschen unterwegs sind. Schreiben Sie deshalb nur Sätze, die Ihnen hinterher nicht peinlich sind. Vor allem aber: «Schreien Sie den anderen nicht an!» Wer gerne und häufig Ausrufezeichen setzt, hat eine deutlich übersteigerte Selbstwahrnehmung. In E-Mails handelt es sich oft um unsere Chefs. 

Jedem Satz sein Zeichen

Jede Satzart hat eigene Satzzeichen. Der Aussagesatz, der Fragesatz, der Ausrufesatz und die Aufforderung. Das Ausrufezeichen ist ganz besonders beliebt. Aber wo ist es am richtigen Platz? Natürlich nicht hinter jedem Satz, sonst wird der Text ein einziges «Geschrei». Ausrufen, Wünschen und Aufforderungen gibt ein Ausrufezeichen hingegen Sinn. Aber auch nach Glückwünschen oder wenn Sie dem Vorangehenden Nachdruck verleihen wollen, da gehört dieses Satzzeichen ein Mal hin.

Schau mir in die Augen

Textnachrichten erleben einen anhaltenden Boom. Kaum einer macht sich noch die Mühe und telefoniert, dabei haben die nebenbei getippten Nachrichten jede Menge Tücken. Der Mensch braucht ab und zu Augenkontakt, den Ton oder die jeweilige Stimmungslage. Nur so können wir spüren, was der andere meint. Manche Posts enthalten mehr Ausrufezeichen, als Buchstaben. Da triefen die kurzen Nachrichten richtig vor Gefühl. Viele tun dabei so, als sprängen sie beim Tippen vor lauter Freude auf und ab. Und um auf Nummer sicher zu gehen, senden Sie noch jede Menge Emoticons hinterher. Natürlich tut übertriebene Zustimmung niemandem weh. Aber wie zeigt man dann, wenn einem wirklich etwas gefällt?

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